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Weiterbildung Budōtherapie im Integrativen Verfahren

Budōbasiertes Achtsamkeitstraining – bbAt

Budō ist der Überbegriff der japanischen Kampfkünste und setzt sich aus den Worten Bu und Dō zusammen. Dō (道) bedeutet Weg, Bu (武) Kampf oder Krieg. Die ursprünglich kriegerischen Konnotationen sind seit der Edo-Zeit mit einer Philosophie der Selbstentwicklung verbunden worden und in Teilen der Kampfkunst fand eine Neuorientierung hin zu einem „Weg des inneren und äußeren Friedens“ statt. In diesem Sinne versteht sich Budō neben der Ertüchtigung des Körpers mittels Ausdauer-, Kraft- und Techniktraining vor allem als Weglehre mit dem Ziel der individuellen geistigen Reifung, Persönlichkeitsentwicklung und Entfaltung von Friedfertigkeit und Mitmenschlichkeit. Budō praktizieren bedeutet, das friedliche Miteinander üben, auch und gerade in Konfliktsituationen. Achtung und Respekt dem/der anderen gegenüber haben dabei stets oberste Priorität. Entsprechend wird im Budō als Kampfkunst, im Gegensatz zum Kampfsport, jeglicher Wettkampfgedanke abgelehnt, weil es gerade nicht darum geht, im Kampf zu siegen oder zu verlieren, sondern darum, sich selbst auf seinem individuellen Weg zu vervollkommnen – immer miteinander, nicht gegeneinander.

Budōtherapie im Integrativen Verfahren ist eine körper- und bewegungstherapeutische Methode, die in der Psycho- und Sozialtherapie, in der Pädagogik und Erwachsenenbildung sowie im Coaching zur Anwendung kommt. Sie ist speziell darauf ausgelegt, emotionale und kognitive Umstrukturierungsprozesse durch Körperübungen und Bewegungserfahrungen in Gang zu setzen, um neue Verhaltensmuster neuronal zu bahnen und nachhaltig „leiblich“ zu verankern. Budōtherapie basiert dabei wesentlich auf den Kernkonzepten ,,Komplexe Achtsamkeit, Respekt, Wertschätzung, Responsivität und Konvivialität“. Sie ist eingebettet in das Verfahren „Integrative Leib- und Bewegungstherapie“ nach H.G. Petzold.

Die Weiterbildung richtet sich an ärztliche und psychologische PsychotherapeutInnen, an Kinder- und JugendlichenpsychotherapeutInnen und darüber hinaus an Berufsgruppen in klinisch-therapeutischen, psychiatrischen, sozialtherapeutischen, sozialpädagogischen, Heilpädagogischen und pädagogischen Arbeitsfeldern sowie an Coaches, TrainerInnen und SupervisorInnen. Besondere Vorkenntnisse oder sportliche Eignungen sind nicht erforderlich.

Die Weiterbildung ist modular aufgebaut. Jedes Modul schließt mit einem Zertifikat ab, in der Graduierungsstufe entsprechend des Grundberufes.

 

Broschüre
Budōtherapie im Integrativen Verfahren

Kompakt-Weiterbildung Integrative Kunsttherapie und Kreativitätstherapie

 

Module der Weiterbildung Budōtherapie im Integrativen Verfahren

Die Wahrnehmung ist die Grundlage der Achtsamkeit, über die wir in einem hermeneutischen Erkenntnisprozess zum Erfassen, Verstehen und Erklären von uns selbst und der Welt gelangen. Sich selbst in intersubjektiver Korrespondenz zu erfahren, findet im bbAt wie auch in den traditionellen Kampfkünsten auf der „Matte“ statt. Immer geht es dabei darum, sich selbst und gleichwohl das Miteinander in den Blick, ins Gespür zu nehmen, wir sprechen hier von „komplexer Achtsamkeit“. Wesentliche „Kerntechniken“, um sich in komplexer Achtsamkeit zu üben, sind die Verneigung (Reî) und die „Kata Shingon“ (Diamantform), immer eingebettet in vielfältige partnerschaftliche Übungen. Auch beim Kämpfen liegt der Fokus stets auf dem Miteinander, auf dem gemeinsamen Ringen um die gute Lösung. Dieses Miteinander gilt es beständig zu üben.

Die Fähigkeit zur Selbstregulation ermöglicht uns, herausfordernde Alltagssituationen zu bewältigen, einen Umgang mit akutem und anhaltendem Stress zu finden und in Notsituationen umsichtig und handlungsfähig zu bleiben. Diese grundlegende Fähigkeit kann aufgrund belastender Ereignisse und schädigender Einflüsse empfindlich gestört sein. Übererregung und emotionale Überflutung (Hyperarousal) oder Abstumpfung und emotionale Taubheit (Numbing), Störungen der Impulskontrolle und aggressive Verhaltensdurchbrüche (gegen sich selbst oder gegen andere gerichtet) können die Folge sein. Gerade in der Arbeit mit Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen, in Kita oder Schule, im Bereich der häuslichen Pflege oder in den Kliniken oder auch im ambulanten heilpädagogischen Feld sehen sich sowohl die betroffenen Menschen als auch diejenigen, die sie professionell unterstützen, zusätzlichen Belastungen ausgesetzt, z.B. durch einen erhöhten Betreuungsbedarf und anhaltenden Arbeitskräftemangel. Dies führt häufig zu Konflikten auf verschiedenen Ebenen, die sich zuspitzen und in bestimmten Situationen eskalieren können. Die eigene Fähigkeit zur Selbstregulation und die Kompetenzen zur Deeskalation in herausfordernden Situationen sind hier unerlässlich, um nicht selbst in chronischen Stress und einen Zustand der Überlastung zu geraten und um friedfertige Wege der Konfliktbewältigung zu finden.

In diesem Modul liegt der Fokus entsprechend auf kampfkunstspezifischen Übungen zur leiblichen Spannungsregulation, Stressvermeidung und -bewältigung. Methoden und Techniken der Selbstregulation, Krisenintervention und Deeskalation werden vermittelt.

In der Integrativen (Budō-)Therapie behandeln wir keine Krankheiten, allenfalls behandeln wir Menschen, besser noch: wir begleiten Menschen, oft in kritischen Lebensphasen, professionell auf ihrem Weg und in ihrem Entwicklungsgeschehen mit dem Ziel der (Wieder-)Erlangung von Kohärenz, Sinnhaftigkeit, Integrität und Wohlbefinden. Krankheiten entstehen im Verlauf des Lebens durch schädigende Ereignisse, die das Bewältigungspotenzial und die Ressourcenlage des Individuums überlasten. In der Folge können sich psychopathologische Symptomatiken in vielfältigen Ausprägungen entwickeln, die in der klinischen Praxis in psychiatrische Diagnosen oder in (sozial-)pädagogischen Arbeitsfeldern in diverse Störungsbilder münden.

In diesem Modul geht es um die gemeinsame ko-kreative Auseinandersetzung mit bestimmten Störungen (Depressionen und andere affektive Störungen, Abhängigkeitserkrankungen, Angststörungen und Störungen der Impulskontrolle, Entwicklungs- und Persönlichkeitsstörungen, komplexe posttraumatische Belastungsstörungen bzw. Entwicklungstraumatisierungen) und Problematiken (Schulverweigerung, Mobbing/Bossing, herausforderndes Verhalten, komplexe Krisensituationen, chronifizierter und traumatischer Stress) aus der eigenen täglichen Praxis. In Form der Super- und Intervision soll so gemeinsam ein vertiefendes Verständnis zu den Krankheitsverläufen und Entwicklungsprozessen erarbeitet werden, um dann spezifische, auf die jeweilige Person und Situation zugeschnittene budōtherapeutische Interventionen zu entwickeln. Den Hintergrund bildet dabei das Krankheitsverständnis der Integrativen Therapie mit seinen unterschiedlichen Krankheitsmodellen.

 

Informationen zur Weiterbildung Budōtherapie im Integrativen Verfahren

Diese Weiterbildung wird für den Wahlpflichtbereich der Langzeitweiterbildung Integrative Bewegungstherapie angerechnet.

Zielgruppe:Menschen, die in psychotherapeutischen, psychiatrischen, forensischen, sozialtherapeutischen, sozialpädagogischen, psychoso-zialen, klinischen, sonderpädagogischen und pädagogischen Arbeitsfeldern mit Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen arbeiten und Budōtherapie in ihre tägliche Praxis einbringen wollen, sowie alle, die sich für Kampfkunst in Verbindung mit Therapie und Pädagogik interessieren. Besondere Vorkenntnisse oder besondere Sportlichkeit werden nicht erwartet.
Form:Grundstufe 4 x 3 Tage (96 UE)
Aufbaustufe 4 x 4 Tage (128 UE)
Graduierungsstufe 4 x 4 Tage (128 UE)
Gebühr:Grundstufe 1.320,- € (in 4 Teilbeträgen zu 330,- €)
Aufbaustufe 1.760,- € (in 4 Teilbeträgen zu 440,- €)
Graduierungsstufe 1.760,- € (in 4 Teilbeträgen zu 440,- €)
Leitung:Frank Siegele, Hermann Ludwig, Susanne Rebholz, Antje Grez u.a.
Ort:CAIA Academy, Steyerberg / EAG, Hückeswagen / Institut für Budōtherapie, Hannover / Online
Die Seminare der Grundstufe finden derzeit in der CAIA Academy, Bildungshaus Steyerberg, Ginsterweg 3, 31595 Steyerberg statt.
Nähere Infos zum Seminarort finden Sie über diesen Link: CAIA Academy

 

Abschlüsse

WeiterbildungsstufeAbschlusszusätzliche Leistungen
Modul I
Grundstufe
Zertifikat:
Achtsamkeitstrainer*in – bbAt
Modul II
Aufbaustufe
Zertifikat:
Selbstregulations- und Deeskalationstrainer*in – bbDt
Kriseninterventionsseminar
Modul III
Graduierungsstufe
Zertifikat je nach Grundberuf:
Budōtherapeut*in – bbPt®“ (mit Approbation: budōbasierte*r Psychotherapeut*in)
Budōtherapeut*in – bbBt“ (klinisch: budōbasierte*r Bewegungstherapeut*in)
Bewegungspädagog*in – bbBp“ (pädagogisch: budōbasierte*r Bewegungspäda-gog*in)
Abschlussarbeit

 

Seminarinhalte

Modul I – Grundstufe: Budōbasiertes Achtsamkeitstraining – bbAt

Leitung: Frank Siegele / Susanne Rebholz

Empfindungen und Stimmungen kommen über Körperhaltungen, Mimik und Gestik „leibhaftig“ zum Ausdruck (top-down-approach), gleichwohl lassen sich Emotionen bzw. Affekte durch therapeutische Intervention, wie beispielsweise der Arbeit an der „körperlichen“ Haltung oder an spezifischen Bewegungsmustern, gezielt beeinflussen, verändern und nachhaltig neu verankern (bottom-up-approach). Über Körper-, Bewegungs-, Atem- und Achtsamkeitsübungen werden so die Wechselwirkungen zwischen Fühlen, Denken und Handeln (Embodiment) leiblich bewusst erfahrbar. Die Schulung einer in diesem Sinne ganzheitlichen Körperwahrnehmung bzw. Leibbewusstheit und komplexen Achtsamkeit ermöglicht das Erkennen eigener Denk- und Handlungsmuster als Voraussetzung für eine emotionale und kognitive Neubewertung und Implementierung neuer Verhaltensweisen. Die konkret erlebte Handlungs- und Veränderungskompetenz führt zur verbesserten Selbstwirksamkeit und wird damit gerade in der Behandlung von psychischen und psychosomatischen Erkrankungen (Depressionen, Angststörungen, Abhängigkeitserkrankungen etc.) zu einem wesentlichen Wirkfaktor.

In diesem Seminar werden Übungen zur „komplexen Achtsamkeit“ zur Schulung der Körperwahrnehmung und Leibbewusstheit sowie die „aufrechte Haltung“ im Stehen, Gehen und Sitzen sowie in verschiedenen Bewegungsformen praktiziert und geübt.

Leitung: Frank Siegele / Susanne Rebholz

Auf der Grundlage eines „komplexen Verhaltensbegriffes“ können Verhaltensänderungen nur gelingen, wenn man neben dem Denken und Fühlen auch das Wollen und Handeln wesentlich mit in den Blick nimmt. Volitionale Faktoren spielen bei der Definition von persönlichen Zielen und Projekten sowie bei der Umsetzung von Veränderungsprozessen – von der Entscheidungsfindung bis zum regelmäßigen Training (Neubahnung) – eine entscheidende Rolle. Der „eigene Weg“ wird in der Budōtherapie „in Bewegung“ entdeckt, erprobt und gefestigt. Hierzu dienen zum einen individuell entwickelte Übungen, zum andern das kontinuierliche Üben strukturierter Bewegungsformen, die dann beispielsweise als Skills zur Entwicklung und Aufrechterhaltung der Veränderungsmotivation, zur Stärkung des Durchhaltevermögens und zur Festigung neuer Verhaltens- bzw. Handlungsmustern fungieren, so dass die Stärkung volitionaler Kompetenzen gerade bei depressiven Erkrankungen zu einer allgemeinen körperlichen und psychischen, d.h. ganzheitlich „leiblichen“ Aktivierung und damit zu einer nachhaltigen Besserung der Symptomatik führen kann.

Volitionale Kompetenzen lassen sich in der Budōtherapie durch strukturierte und ritualisierte Partnerübungen – auch gegen Widerstände – entwickeln und festigen. Gerade hier bedarf es der besonderen Achtsamkeit, weil es immer darum geht, bei der Durchsetzung der eigenen Bedürfnisse nicht die Grenzen der anderen zu verletzen. Das beinhaltet u.a. auch die Fähigkeit, die Dinge so anzunehmen, wie sie sind, gerade dann, wenn die eigenen Ziele nicht erreichbar erscheinen. Dann gilt es, sich der eigenen dysfunktionalen Gedanken und Gefühle zwar durchaus bewusst zu sein, das eigene Verhalten aber nicht zwangsläufig an ihnen auszurichten. Dies erfordert die Entwicklung von Gleichmut und Gelassenheit, um sich selbst und anderen respektvoll und fürsorglich begegnen zu können.

In diesem Seminar liegt der Fokus auf Achtsamkeitsübungen, die zum einen für die eigenen Bedürfnisse (Volitionen) sensibilisieren und die zum andern auf der Handlungsebene einen bewussten und kontrollierten Ausdruck ermöglichen.

Leitung: Frank Siegele / Susanne Rebholz

Die „Komplexe Achtsamkeit“, ein zentrales Konzept in der meditativ-nootherapeutischen Praxis der Integrativen Therapie, geht über die sinnliche Wahrnehmung der eigenen Empfindungen, Stimmungen und Gefühle hinaus und ist stets gleichermaßen auf die potenzielle Verletzlichkeit des „Leibes“ auf die Sorge um den anderen, wie auf die Verwundbarkeit der (Lebens-)Welt gerichtet.

In diesem Seminar werden unterschiedliche Achtsamkeitstechniken in Ruhe (Zazen, Bodyscan, Atemübungen), in Bewegung (Kata, Kinhin, Tai-Chi) und als Naturerfahrung vermittelt und geübt, um eine differenzierte Selbst- und Fremdwahrnehmung zu schulen, sowie die Selbststeuerungsfähigkeiten im Sinne einer verbesserten Emotions-, Kognitions- und Impulsregulation zu erweitern, was auf der neurobiologischen Ebene zu einer Stärkung der Verbindung zwischen medialen präfrontalen Cortexbereichen und der Amygdala führt. Zudem wird die Fähigkeit, sich inneren und äußeren Realitäten zu stellen, auf diese Weise verbessert, die in Seminar 2 im Zentrum stehende Entwicklung von Handlungsabsichten wird weiter unterstützt. Besonders bei der dissozialen und Borderline-Persönlichkeitsstörung ist die Selbststeuerungskompetenz, also eine gelingende Affektkontrolle, Mentalisierungs- und Volitionskraft von zentraler Bedeutung, um Selbstverletzungen, aber auch um die Beschädigung anderer zu vermeiden. Hierfür ist die Entwicklung von Gleichmut und Gelassenheit von besonderer Bedeutung, worauf die in diesem Seminar praktizierten Achtsamkeitsübungen fokussieren.

Leitung: Frank Siegele / Susanne Rebholz

Die in der komplexen Achtsamkeit inhärente Sorge um den anderen und um die Lebenswelt wird durch das Konzept der Konvivialität – als “Kunst des Zusammenlebens”, als der „Wille zur Verbundenheit“ und zugleich als Grundhaltung eines werteorientierten Konfliktmanagements – weiter präzisiert. Auch oder gerade in der Psychotherapie bedeutet dies einen partnerschaftlichen, achtsamen, respektvollen und wertschätzenden Umgang miteinander. In der Budōtherapie verdichtet sich diese melioristische Grundhaltung in der Verneigung als spezifische Achtsamkeitsübung (ich neige mich dir zu), die mit der inneren Haltung der Zuneigung (ich bin dir zugeneigt) korrespondiert und auch mit dem Versprechen, den anderen zu schützen und zu beschützen (ich achte darauf, dass dir nichts geschieht). Damit erhält die „Sorge um den anderen“ den gleichen Stellenwert wie die Sorge um sich selbst und mündet unweigerlich in die „Sorge um das Ganze des Lebens“; denn: „über die Integrität eines jeden wacht ein jeder“. In diesem Sinne sensibilisiert Budōtherapie für einen feinfühligen, achtsamen und friedfertigen Umgang mit sich selbst und im Miteinander sowie mit der Natur und schafft so die Basis für faire und gelingende Auseinandersetzungen – immer miteinander, nicht gegeneinander.

In diesem Seminar werden Achtsamkeitsübungen zum Erkennen und Wahren der eigenen Grenzen und der Grenzen anderer praktiziert und geübt. Weiterhin werden therapeutische Strategien zum konstruktiven Umgang mit Konflikt-, Krisen- und Stresssituationen entwickelt und eingeübt.

 

Modul II – Aufbaustufe: Budōbasiertes Selbstregulations- und Deeskalationstraining – bbDt

Leitung: Frank Siegele / Dr. Hermann Ludwig

Der Aufbau und die Gestaltung einer sicheren und wertschätzenden therapeutischen Beziehung ist ein zentraler Wirkfaktor im Hinblick auf gelingende Therapieprozesse. Ebenso ist auch der therapeutische Raum von besonderer Bedeutung. Therapeutische wie auch pädagogische Settings müssen Schutz und Sicherheit bieten, damit angstfreie „Beziehungs-Räume“ entstehen, in denen Wagnisse und neue Erfahrungen möglich werden. In den Kampfkünsten stellt das Dojo diesen Raum dar, in dem ein respektvolles Miteinander möglich ist, der durch seine Regeln Orientierung und Sicherheit bietet, so dass man sich in der Auseinandersetzung mit sich selbst und mit anderen erproben und erleben kann. Ausgehend von der zentralen These „Alles, was wir tun, tun wir subjektiv zu unserem Schutz“ wird jeglicher bisher erlernte Selbstschutz als Kompetenz und Performanz gewürdigt. Es geht also um die Förderung einer grundsätzlich wertschätzenden, Sicherheit gebenden und von Besonnenheit und Gefasstheit geprägten Haltung sowie um die Erfahrung von Orientierung, Kontrolle und Vertrauen.

In diesem Seminar kommen Übungen zur Förderung der psychophysischen Stabilität, zur Erkundung des gemeinsamen und des persönlichen Raumes, der eigenen (Körper-)Grenzen und klar strukturierte Bewegungsübungen zum Einsatz, die das Erleben von Sicherheit und Orientierung fördern. Langsame, sanfte Bewegungen tragen zur Beruhigung bei und wirken Zuständen von Hyperarousal entgegen, wie sie oft bei Menschen mit anhaltendem Stress und (komplexen) Traumatisierungen auftreten.

Leitung: NN

Um sich selbst und andere zu (be)schützen, müssen wir in der Lage sein, Grenzen zu setzen und Angrenzungen zu ermöglichen. Grenzen sind wichtig, denn an ihnen findet Kontakt, Begegnung, Beziehung statt. Beziehungen werden an Grenzen ausgehandelt. Grenzen setzen und halten, aber auch zu öffnen und zu gestalten bedeutet in diesem Sinne auch, beherzt, aber auch korrekturbereit einen eigenen Standpunkt zu vertreten, couragiert für sich selbst und andere einzutreten, engagiert für eigene Anliegen zu kämpfen – immer miteinander, nicht gegeneinander und immer offen für „weiterführende Kritik“. Nur wenn es gelingt, beieinander zu bleiben, können Konflikte konstruktiv gelöst und damit deeskaliert werden. In der Integrativen Budōtherapie geht es dabei vor allem um das Angrenzen (vs. Abgrenzen), denn wir wollen unser Gegenüber nicht verlieren, den Kontakt nicht abreißen lassen, Ausgrenzung verhindern. In Krisen-, Konflikt- und Gefahrensituationen ist dieses Prinzip von wesentlicher Bedeutung, ob im Feld der Psychiatrie, Gerontologie, Suchtkrankenhilfe, Forensik, Jugendhilfe, Schule oder in der Heilpädagogik. In all diesen Bereichen haben wir es vielfach mit Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen zu tun, die durch Grenzverletzungen in Form von psychischer und/oder körperlicher Gewalt traumatisiert sind und die in Folge Depressionen, Angsterkrankungen oder aggressive Symptomatiken entwickelt haben. Um diese Grenzverletzungen bearbeiten zu können, muss ein Bewusstsein für die wechselseitige „Verletzungsmacht“ und „Verletzungsoffenheit“ – auf der leiblichen Ebene erlebbar – geschaffen werden.

In diesem Seminar werden budōtherapeutische Achtsamkeits-, Selbstregulations- und Deeskalationstechniken erarbeitet und eingeübt. Zudem liegt der Fokus auf der Weiterentwicklung und Festigung der individuellen persönlichen Souveränität. Der eigene Raum und die eigenen Grenzen werden in Form der „Kata“ (stilistische Bewegungsform) sowie mit PartnerIn durch spezifische Budōtechniken ausgelotet, eingeübt, ggf. überschritten, wieder neu ausgelotet usw. Die Übung resp. das Ein-Üben wird damit elementar für die kognitive und emotionale Umstrukturierung und damit für die Implementierung neuer Verhaltensmuster.

Leitung: NN

Aggression und Gewalt sind Phänomene, mit denen Menschen alltäglich konfrontiert werden können, von geopolitischen Lagen über die Verrohung der Sprache in der zwischenmenschlichen Kommunikation und in sozialen Netzwerken, bis hin zu Mobbing in der Schule und tätlichen Angriffen auf der Straße oder am Arbeitsplatz. Meist als Folge von zeitextendiertem Stress z.B. durch Unterbesetzung, Arbeitsverdichtung und Überforderung kann aber auch auf Seiten der professionellen HelferInnen die Gefahr der verbalen oder körperlichen Grenzverletzung gegenüber Schutzbefohlenen wachsen. Um dies zu verhindern, bedarf es der Selbstreflexion und des Erkennens der eigenen „blinden Flecken“ in Bezug auf die Themen Aggression, Gewalt, Macht/Ohnmacht und Machtmissbrauch. Um aggressive Verhaltensdurchbrüche zu „stoppen“ und Situationen und Konflikte zu deeskalieren, sind die Fähigkeit zur Selbstregulation und Selbstkontrolle unerlässlich.

Um die Auseinandersetzung mit diesem Themenkomplex, um emotionale Differenzierungsarbeit aus budōtherapeutischer Sicht, wie auch um Überwindungserfahrungen beim Erleben von Macht/Ohnmacht, Hilflosigkeit, Unsicherheit, Angst und Not, geht es schwerpunktmäßig in diesem Seminar. Das Thema „Aggression und Gewalt“ wird dabei auch selbsterfahrungsbezogen mehrperspektivisch bearbeitet. Budōtherapeutische Selbstregulations- und Deeskalationstechniken werden vertiefend eingeübt und verankert. Gleichwohl geht es um die Implementierung von Friedfertigkeit über den Weg der „komplexen Achtsamkeit“ mittels spezifischer Budōtechniken.

Leitung: NN

Eingefahrene, überholte (parafunktionale) Handlungsmuster müssen durch neue, angemessene (funktionale) ersetzt werden; so vollzieht sich (Weiter-)Entwicklung und persönliches Reifen. Wenn uns im Zuge der Selbstreflexion rückblickend eigene Verhaltensweisen und Reaktionsmuster mittlerweile dysfunktional und schädlich erscheinen, müssen diese jedoch zunächst als Bewältigungsleistung gewürdigt („Ich habe getan, was ich konnte“) und anerkannt („Ja, so war das“) werden. Auch in Stress-, Konflikt- und Eskalationssituationen benötigen wir diese Kompetenz der „nüchternen“ und gleichwohl wachsamen Gelassenheit („Ja, so ist das“). Denn derartige „Techniken der Anerkennung“ wirken regulierend, beruhigend auf die Stressphysiologie aller Beteiligten und damit in einem sehr frühen Stadium deeskalierend: auf Seiten der Fachkräfte, indem über Akzeptanz ein Aufschaukeln negativer Gefühle verlangsamt oder verhindert wird, bei PatientInnen (KlientInnen, SchülerInnen etc.), indem die wohlwollende Haltung eine Oxytocinausschüttung anregt, die das „interne Beruhigungssystem“ beeinflusst.

Zur Einübung dieser „wachsamen Gelassenheit“ sowie der Fähigkeit zur verlässlichen Selbstregulation dient u.a. die „Kerntechnik“ der Verneigung (Reî), die bereits in Modul I eingeführt wurde. Darauf basierend werden Selbstbehauptungs- und Deeskalationstechniken erarbeitet und vertiefend eingeübt, immer mit dem Ziel der friedfertigen Konfliktlösung.

 

Modul III – Graduierungsstufe: Klinische und fachliche Vertiefung – störungsfeldspezifisch und problembezogen

In diesem Modul geht es um die Vertiefung, Modifizierung und Verfeinerung des Gelernten anhand von Beispielen aus der Praxis. In ko-kreativer Weise werden Prozessverläufe aus der klinischen, therapeutischen und pädagogischen Praxis inter- bzw. supervidiert. Die thematischen Schwerpunkte der 4 Seminare werden prozessual mit den Teilnehmenden abgestimmt. Sie richten sich nach dem Berufs- und Praxisfeld und den jeweiligen Erfahrungshintergründen der Teilnehmenden. Themenschwerpunkte können sein: (aus dem klinischen Bereich) Depressionen und andere affektive Störungen, Abhängigkeitserkrankungen, Angststörungen und Störungen der Impulskontrolle, Entwicklungs- und Persönlichkeitsstörungen (z.B. Typ Borderline), komplexe posttraumatische Belastungsstörungen bzw. Entwicklungstraumatisierungen und (aus dem pädagogischen und heilpädagogischen Bereich) ADHS, Schulverweigerung, Schulabsentismus, Mobbing/Bossing, herausforderndes Verhalten, komplexe Krisensituationen, chronifizierter und traumatischer Stress.

Da in der Praxis symptomatische Überlagerungen die Regel sind und sowohl Krankheits- wie auch Behandlungsverläufe nie linear verlaufen, nähern wir uns diesem Themenkomplex prozessual sowie phänomenologisch (von den Phänomenen zu den Strukturen zu den Entwürfen) an.

1. Seminar Affektive und Angststörungen

2. Seminar Suchterkrankungen

3. Seminar Traumafolgestörungen

4. Seminar Persönlichkeitsstörungen

 

Anmeldung

Wenn Sie sich für eine Kompaktweiterbildung interessieren, erfolgt eine Anmeldung über folgenden Weg:

Persönliche Kontaktaufnahme mit dem Institut (ggfls. freie Plätze).
Bei Bedarf Beratungsgespräch (keine Voraussetzung, 02192-858- 16 oder 18).
Füllen Sie das Anmeldeformular aus und faxen oder senden Sie uns dies zu.
Wir senden Ihnen eine Anmeldebestätigung.

 

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