Europäische Akademie für bio-psycho-soziale Gesundheit / Fritz Perls Institut

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Therapeutisches Puppen-, Figuren- und Maskenspiel im Integrativen Verfahren

Puppen, Figuren und Masken gehen auf die Frühzeit der Menschheit zurück. Sie künden von der Suche nach der eigenen Identität, als „Übergangsobjekte“ von der „Selbstfindung“ und als Intermediärobjekte von kommunikativen Brücken zwischen Kindern und Erwachsenen, Alten und Jungen. Entwicklungspsychologisch sind Puppen von großer Bedeutung für das Kind um sich als Person zu erleben und Unbelebtes zu beleben: Kernaufgabe von Kreativität. In der Kinderpädagogik, in Kindergarten und Elternhaus und natürlich in der Kinderpsychotherapie ist das Puppenspiel deshalb unverzichtbar. Auch in der Arbeit mit alten Menschen und Hochbetagten sind Puppen von großem Wert. Sie wirken auf Menschen erlebnisaktivierend, fördern Kommunikation, helfen negative Stimmungslagen zu verändern, geben unbewusster Konfliktdynamik Ausdruck. Ein großer Teil seelischer Störungen ist die Widerspiegelung von feindlichen oder dysfunktionalen Lebenswelten, belasteten Eltern, Leben in Altenheimen, zerrütteten Familien, riskanten Milieus bei Armut und Langzeitarbeitslosigkeit und Notmigration. Man kann sagen: Puppenspiel bei solchen prekären Lebenslagen und Problemsituationen trägt, richtig eingesetzt, im Verbund mit anderen Maßnahmen psychosozialer Hilfeleistung in fruchtbarer Weise dazu bei, negative Sozialisationseinflüsse zu kompensieren oder lebenslagebedingte Verhaltensauffälligkeiten zu behandeln.
Die Puppen haben einen Aufforderungscharakter: Wenn man auf eine Puppe trifft, oder mal wieder eine hervorholt, dann kommen einem Erinnerungen in den Sinn: Die Puppe aktiviert das „szenische und atmosphärische Gedächtnis“. Das ist die eine Sache: Die Puppe erschließt mir hier und heute nicht nur ein Erleben der aktuellen Performanz, sondern mit ihr selbst, in der und durch die Aktion kommen viele Erinnerung auf – vielleicht an Momente von Spielen vor 10 oder vor 50 Jahren, und vielleicht kommen auch Spielideen für künftige Spiele in den Sinn. Damit erschließt sich mir durch Puppe und Puppenspiel der „Kontext und das Kontinuum“ der Zeit, ein „Chronotopos“, wie der russische Literatur- und Kulturtheoretiker Michail Bachtin das genannt hat . So habe ich plötzlich eine Sequenz von Szenen mit ihren Atmosphären, von Geschichten und umliegenden Geschichten „im Sinn“. Ich bin dann auf meiner ganz persönlichen Bühne im „großen Welttheater“, bin in meinem Stück, meinem „Lebensspiel“, im Geflecht der Spiele und Stücke[i]. Ich bin dann plötzlich nicht mehr nur bei dem aktuellen Puppenspiel, das ich sehe oder bei dem ich mitspiele, sondern bin durchflutet von Erinnerungen, die aus meinem Leibgedächtnis, meinem durch Lebensgeschichte und Lebenserfahrung „informierten Leib“ aufsteigen. Alles ist da. Durch die Puppe und durch das Puppenspiel bin ich also wieder mitten in meiner Lebensgeschichte. Bei unserer Form des „integrativen, intermedialen Puppenspiels“, in dem wir die Puppen herstellen, das Haptische, Bildnerische ansprechen, in dem wir die Stücke selbst erarbeiten, in „dichten Beschreibungen“ Erleben festhalten und poesie- und bibliotherapeutische Dimensionen einbeziehen, mit den Puppen tanzen, die Puppen tanzen lassen, mit den Puppen und als Puppenspieler, als Spielergruppe, mit den Zuschauern singen, wie es unseren integrativen kreativitätstherapeutische Ansatz kennzeichnet, werden die evokativen Qualitäten unserer Praxis besonders intensiv wirksam.
Es werden praxisrelevante Ansätze für die verschiedenen Altersgruppen, störungsspezifische Wege der Behandlung, erlebnispädagogische Methoden sowie Puppenbau vermittelt. Für alle, die mit Kindern in Kindergarten, Hort, Heimen, in Förderangeboten und Familienarbeit tätig sind oder die mit psychiatrischen Patienten oder in der Altenarbeit neue Wege suchen, findet sich hier ein fundiertes Weiterbildungsangebot.

Form:6 x 3 Tage
Gebühr:1.620,- € (wird in 6 Teilbeträgen fällig)
plus ÜVP
Leitung:Birgit Hirsekorn und Kolleginnen
Ort:Hückeswagen
Abschluss:Zertifizierter Leiter für therapeutisches und erlebnispädagogisches Puppen-, Figuren- und Maskenspiel
bei Spielprobe, Abschlussarbeit, Kolloquium (200,- €)
SeminarTerminLeitung
Seminar 1:
Herstellen von Puppen als diagnostischer, therapeutischer und kreativer Prozess
Termin in KürzeBirgit Hirsekorn und Kolleginnen
Seminar 2:
Dramatische Therapieformen: Puppen- und Maskenspiel und deren Quellen, Integrative Theoriekonzepte, Praxeologie
Termin in KürzeBirgit Hirsekorn und Kolleginnen
Seminar 3:
Dramatisieren und Spielen mit Puppen und Masken in der Einzel- und Gruppentherapie
Termin in KürzeBirgit Hirsekorn und Kolleginnen
Seminar 4:
Puppenspiel mit psychiatrischen PatientInnen
Termin in KürzeBirgit Hirsekorn und Kolleginnen
Seminar 5:
Puppenspiel in der Kindertherapie und Familienarbeit
Termin in KürzeBirgit Hirsekorn und Kolleginnen
Seminar 6:
Puppenspiel in der Arbeit mit alten Menschen und in der Gerontotherapie
Termin in KürzeBirgit Hirsekorn und Kolleginnen

Anmeldung:

Wenn Sie sich für eine Kompaktweiterbildung interessieren, erfolgt eine Anmeldung über folgenden Weg:

Persönliche Kontaktaufnahme mit dem Institut (ggfls. freie Plätze).
bei Bedarf Beratungsgespräch (keine Voraussetzung, 02192-858- 16 oder 17).
Füllen Sie das Anmeldeformular aus und faxen oder senden Sie uns dies zu.
Sie sind angemeldet und erhalten alle weiteren Informationen ca. 4 Wochen vor Beginn der Veranstaltung.