Europäische Akademie für bio-psycho-soziale Gesundheit / Fritz Perls Institut

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Jugendcoach im Integrativen Verfahren

Weiterbildung Jugendcoach und Motivationstrainer – das Integrative Modell

In den heutigen, für Jugendliche und ihre Bezugspersonen immer komplexer werdenden Lebenswelten der Spätmoderne werden dringend Berater, Trainer, Coaches gebraucht, die effektiv und empathisch mit Jugendlichen arbeiten können. Durch Jugendlichenpsychotherapie werden die nicht psychisch auffälligen Jugendlichen bzw. diejenigen ohne klinische Diagnose kaum erreicht. Außerdem: Auch wenn Jugendliche schwierig erscheinen und zuweilen schwierig sind, muss klar sein, dass das Jugendalter „keine Krankheit“ ist, sondern eine Zeit des Aufbruchs, der Umbrüche, der Risiken, des Chaos, aber auch der Chancen! Es ist für junge Menschen keine einfache Sache sich heute in Zeiten ständig neuer Erschütterungen und Zukunftsunsicherheiten, transportiert durch totale Medienpräsenz, zu bewegen und zu orientieren – zwischen Leistungsanforderungen und begrenzten Arbeitsangeboten, zwischen Versprechen und Täuschungen, zwischen Megakonsum und Armut, zwischen Cyberspace, Party und Öde, mit leichtem Zugriff auf Alkohol und gefährliche Drogen. Glaubwürdige normative Orientierung gibt es für viele von ihnen nur wenig, problematische Ideologieangebote dagegen reichlich. Für Verwirrung, Misstrauen, Aggression und totale Lustlosigkeit gibt es also genügend Gründe.

Wir brauchen deshalb eine neue Generation von Profis mit hoher Motivation für neue Formen der Jugendarbeit, die auf Grund eigener Lebenserfahrung, biografischen Bezügen und wahrgenommener, reflektierter Selbstwirksamkeit in der Lage sind, als Jugendcoaches zu arbeiten und Motivation weiterzugeben – denn darauf kommt es an. Ohne spürbares Engagement und persönliche Glaubwürdigkeit der Erwachsenen sind Jugendliche nicht erreichbar und motivierbar.

Die Weiterbildung  will die ganze Palette von Jugendproblemen aufgreifen. Fragen der Identitätsfindung, normativen Orientierungslosigkeit, Radikalisierung, Faszination an Extremen, Sexualität und Gewalt, Sucht und Kicks, Sport und Fanship, Leben im Cyberspace und mit den neuen Medien. Arbeitssuche und Berufsorientierung, Fernweh und Sehnsüchte sind einige der Themen, mit denen man sich befassen muss, um mit den Jugendlichen und für sie Perspektiven zu eröffnen und Wege mit ihnen gemeinsam gehen zu können. Jugendpsychologie und -soziologie, Jugendsozialarbeit und Drogentherapie sowie Neurobiologie bieten hierfür Wissensquellen. Der Integrative Ansatz der Therapie und Beratung ist einer der modernsten, entwicklungspsychologisch, sozial- und neurowissenschaftlich basierten Methoden biopsychosozialer Hilfeleistung mit einem reichen Repertoire an Interventionsmethoden. Die Weiterbildung vermittelt Fachwissen, Interventionsmethoden, Selbsterfahrung und Praxistransfer.

In dieser Weiterbildung werden kollegiales Lernen, kollegialer Erfahrungsaustausch, fundierte Fachlichkeit und Ko-Kreativität eine wichtige Rolle spielen. Von Anfang an werden Fragen des Transfers diskutiert, Materialien aus der Praxis der TeilnehmerInnen einbezogen – u. a. durch supervisorische Mikroanalysen – und es wird die Umsetzung in die eigene Arbeit und mit eigenen Projekten angeregt. Dazu gehören neben der Entwicklung von Projektideen Supervision und Intervision, Praxisdokumentation sowie kollegiale Prozess- und Projektdiskussion.

Zielgruppe:Menschen, die im Rahmen ihrer beruflichen Tätigkeit und ihres professionellen oder ehrenamtlichen Engagements mit Jugendlichen arbeiten (wollen) und die ihre Kompetenz, ihr Wissen, und ihre Performanz, ihr Können in diesem Bereich erweitern und verbessern wollen. Z.B. Schul-SozialarbeiterInnen, SozialpädagogInnen, ErzieherInnen, PädagogInnen, PsychologInnen, StreetworkerInnen, Mitarbeitende im Jugendzentrum, LehrerInnen, BeratungslehrerInnen, Mitarbeitende in kirchlicher Jugendarbeit, PfarrerInnen, usw.
Form:6 x 3 Tage
Gebühr:1.620,- € plus ÜVP
Leitung:Tom Ullrich, Dipl. Soz.Päd., Suchttherapeut, Supervisor, Organisationsberater EAG
Prof. Hilarion Petzold, wiss. Leiter der EAG
Ort:Hückeswagen
Abschlüsse:Teilnahmebescheinigung oder
Zertifikat „Zertifizierter Jugendcoach und Motivationstrainer im Integrativen Modell" bei Teilnahme an allen Seminaren, Kolloquium (200,- €) und Prozessbericht über die Begleitung eines Jugendlichen oder Projektbericht
Beginn:Termin auf Anfrage

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Termine:

Seminar:Termin:Leitung:
Seminar 1:
Zugang finden – Schwierigkeiten, Risiken, Chancen
Neuer Termin in KürzeTom Ullrich
Seminar 2:
Persönliche und soziale Identität – Selbstbild und Fremdbild, Position und Rolle
Neuer Termin in KürzeTom Ullrich
Seminar 3:
Salutogene und pathoene Entwicklungseinflüsse, Ätiologien des Scheiterns und des Gelingens
Neuer Termin in KürzeTom Ullrich
Seminar 4:
Probleme, Ressourcen, Potentiale – Über Chaos, Sehnsüchte und Chancen
Neuer Termin in KürzeHilarion Petzold
Seminar 5:
Sexualität, sexuelle Identität, junge Liebe – Lust und Frustration bei der Partnersuche und Beziehungsgestaltung
Neuer Termin in KürzeTom Ullrich
Seminar 6:
Meine Persönlichkeit als Jugendcoach und Motivationstrainer, Auswertung, Perspektiven, Supervision
Neuer Termin in KürzeTom Ullrich

Anmeldung:

Wenn Sie sich für eine Kompaktweiterbildung interessieren, erfolgt eine Anmeldung über folgenden Weg:

Persönliche Kontaktaufnahme mit dem Institut (ggfls. freie Plätze).
bei Bedarf Beratungsgespräch (keine Voraussetzung, 02192-858- 16 oder 18).
Füllen Sie das Anmeldeformular aus und faxen oder senden Sie uns dies zu.
Sie sind angemeldet und erhalten alle weiteren Informationen ca. 4 Wochen vor Beginn der Veranstaltung.

Seminarinhalte

1. Seminar
Zugang findenSchwierigkeiten, Risiken, Chancen
In diesem ersten Modul der Fortbildung wird es darum gehen, die Bedingungen und die Möglichkeiten, aber auch die Grenzen zu erfassen, die notwendig sind, um mit verschiedenen Gruppen von Jugendlichen in Kontakt zu kommen und einen optimalen Veränderungsprozess einzuleiten, der sensibel und behutsam anzugehen ist. In einem ersten Schritt werden Elemente erarbeitet die dazu beitragen, Schwierigkeiten des Zugangs zu Jugendlichen genderspezifisch erkennen, eine Atmosphäre des Vertrauens und zugleich einen Nahraum zu schaffen, um Lernen in optimaler Proximität und in der „Zone der nächsten Entwicklung“ (Vygotskij) zu ermöglichen. Dabei gehen wir von einer „doppelten Expertenschaft“ aus: der des Professionellen, des Helfers/Coaches/Begleiters und der des Jugendlichen als Experte für seine Situation. Entwicklungspsychologische Grundlagen, neuropsychologische Kenntnisse sowie Einflüsse und Auswirkungen der verschiedenen social worlds werden auf der Basis des Integrativen Ansatzes vermittelt und gemeinsam im Hinblick auf motivationales und volitives Geschehen reflektiert. Ein Jugendcoach muss wissen, welche Entwicklungsschritte vom Kind über die Jugendzeit bis hin zum Erwachsensein “geschafft“ werden müssen und welche Klippen dabei zu überwinden sind. Das Erleben von „Selbstwirksamkeit“ und das „Aushandeln von Grenzen und Positionen“ (Petzold) sollen eine Beziehungsarbeit mit „korrektiven emotionalen und kognitiven Erfahrungen“ als Basis für positive Interiorisierungen ermöglichen. Mit Hilfe kreativer Techniken (Chart Maps) der Integrativen Therapie und Beratung werden solche Prozesse für den Jugendcoach zugleich als Methoden der Intervention für die Praxis vermittelt. Materialien bieten Beispiele aus der Praxis der TeilnehmerInnen.

 2. Seminar
Persönliche und soziale Identität – Selbstbild und Fremdbild, Position und Rolle
Auf der Grundlage des Modells der „Fünf Säulen der Identität“ (I. Leiblichkeit, II. soziales Netz/Beziehungen, III. Arbeit/Leistung/Freizeit, IV. materielle Sicherheit, V. Werte/Normen) aus dem Integrativen Ansatz wird die jeweilige Identitäts-Entwicklung durch Identitäts-Zuschreibungen, Bewertungen und Identifikationen bei Jugendlichen nachvollziehbar. Für die Jugendcoaches wird erfahrbar gemacht, welche Begegnungen, Beziehungen, Freundschaften etc. bei ihren Coaches in ihren sozialen Konvois hilfreich, unterstützend oder auch hinderlich und beschädigend waren.  Welche Attraktoren haben sie angezogen und welche Ziele sind daraus für Coaching und Motivation ableitbar. Die „Identitätsarbeit“ im Jugendalter wird von Erfahrungen des „Gebrauchtwerdens“, aber auch der Ablehnung, der errungenen Erfolge, aber auch des Scheiterns bestimmt. Bei ihrer Identitätsarbeit dürfen Jugendliche nicht allein gelassen werden. Sie brauchen wenigstens „one significant caring adult“ – so das Ergebnis von Jugendforschung. Der Jugendcoach muss diese Rolle kontinuierlich ausfüllen. Dafür sollen Wege aufbauender „Identitätsarbeit“ in konkreten Maßnahmen durch die erlebnisaktivierenden Ansätze der integrativen Arbeit mit Jugendlichen vermittelt werden. Transferideen werden diskutiert.

 3. Seminar
Salutogene und pathogene Entwicklungseinflüsse, Ätiologien des Scheiterns und des Gelingens
In Vertiefung der vorangegangenen Fortbildungseinheiten werden Risiko- und  Belastungsfaktoren sowie protektive Wirkfaktoren in der Beratung und Begleitung von Veränderungs- und Entwicklungsprozessen der Adoleszenz diskutiert. In der erfolgreichen Überwindung von psychosozialem Stress durch significant adults kann Resilienz (Widerstandskraft und Lebenstüchtigkeit) bekräftigt oder neu aufgebaut werden. Stress gibt es genug im Jugendalter. Coaches helfen dabei, ihn abzupuffern und Reaktanz (Widerstand) in konstruktive Aktion umzuwandeln. Die Bedeutung von Wertschätzung und Würdigung, von Respekt und Akzeptanz, aber auch – auf dieser Basis – von wohlwollender Konfrontation wird als Beitrag zur Entwicklung der Persönlichkeit des Jugendlichen herausgearbeitet und durch exemplarische Interaktionsbeispiele konkretisiert. Die Prozesse des „Subjektlernens“, des Lernens, zu dem zu werden, der man werden möchte, sind in den komplexen Lebenswelten von heute für Jugendliche prekär. Der Coach motiviert Jugendliche, Wege des Scheiterns zu verlassen und mit den „drei Strategien des Gelingens“ (Petzold) im Integrativen Ansatz zu beginnen: „Mache dich selbst zum Projekt!“ – „Nutze Gelegenheiten als Chance!“ – „Vertraue deinem Gehirn“. So kann „persönliche Souveränität“ gewonnen werden. Das ist eine zentrale Entwicklungsaufgabe des Jugendalters. Wenn diese Prozesse scheitern, können Abstürze tief sein (Devianz, Drogen, Destruktivität, Radikalisierung, Gewalt). Deshalb müssen Negativ-Spiralen und Abwärtsdynamiken rechtzeitig erkannt, aufgefangen und umgelenkt werden. Praxiserfahrungen werden aufgegriffen, Transferschritte angeleitet.

4. Seminar
Probleme, Ressourcen, Potentiale – Über Chaos, Sehnsüchte und Chancen
Dieses Modul der Weiterbildung dient dazu, mit Hilfe der kreativen Techniken und Medien und der Leibarbeit des Integrativen Ansatzes, diese „Methoden durch die Methoden“ selbst zu erlernen, um sie zur Diagnostik und Intervention in der Motivationsarbeit und im Coaching von Jugendlichen und Angehörigen nutzen zu können. Der Integrative Ansatz hat Konzepte und Methoden zum Identifizieren von Problemen, zur Erschließung von Ressourcen, zum Erkennen von Potentialen und zum Nutzen von Chancen erarbeitet. Die Jugendcoaches sollen dazu beitragen, Ruhe in chaotische Lebenssituationen zu bringen, Sehnsüchte und Realitäten auf Realisierbarkeit zu überprüfen. Sie sollen Unterstützung von Volitionsprozessen leisten, denn ohne Willensentschlüsse und Willensarbeit läuft nichts. Sie sollen Hilfen zur Regulation von Gefühlen geben, denn ohne Umgang mit Gefühlsstürmen bleibt es beim Chaos. Jugendcoaches müssen bei den Fragen nach Sinn und Zukunftschancen oder Versagensängsten, bei No-Future-Doom und Depri-Gefühlen Beistand sein und „innere Beistände“ werden. Jugendspezifische „psychoedukative Arbeit“, Erschließung von Information darüber, wie das Gehirn im Jugendalter „tickt“, Einführung in „Metareflexion als Regulationshilfe“, Einübung in Selbstwirksamkeit („mastery experience“, Harter), Entwicklung „antizipatorischer Kompetenz“ helfen dabei, Besonnenheit, Gelassenheit und Kreativität zu entdecken und statt Coolness, Chillen und Chaotik zu nutzen. Adoleszenz ist die Chance, eine Ahnung von Exzellenz zu bekommen, von dem, was die Philosophen „transversale Vernunft“ nennen. Jugend forscht und erfindet, Jugend musiziert, Jugend philosophiert, Jugend bringt’s in Sport und Kulturprojekten. Jugendcoaches helfen, das zu erleben und zu entdecken. Praxisbeispiele werden einbezogen und Umsetzungsmöglichkeiten diskutiert.

5. Seminar
Sexualität, sexuelle Identität, junge Liebe – Lust und Frustration bei der Partnersuche und Beziehungsgestaltung
In der Adoleszenz und im frühen Erwachsenenleben sind Partnerprobleme oftmals Grundlage für Krisen. Bei aller medialen Präsenz von Sexualität bis hin zur Pornographie zeigt sich erstaunlicherweise in Gesprächen zeitgleich eine große Unsicherheit im Umgang mit der eigenen Sexualität, so dass gezielte Aufklärungsarbeit notwendig erscheint: Aufklärung über Sexualität und Liebe, Seelisches und Körperliches, Mann-Sein und Frau-Sein. So aufgeklärt, wie manche meinen, sind viele Jugendliche nicht. Die Auseinandersetzung mit Machismus und Sexismus, mit Genderfragen – nicht nur bei männlichen Adoleszenten –  und die Reflexion von Medieneinflüssen und Klischees, von Wertevorstellungen, Verhaltensstilen und Haltungen müssen diskutiert werden. Romantische Liebe, sexuelle Kreativität, Partnerschaft als gemeinsamer Erlebnisraum und ko-kreativer Gestaltungsraum –  Verletzungen und Enttäuschung und das Wachsen als Person durch Erfahrungen von Intimität sind zentrale Themen, bei denen ein Jugendcoach Gesprächspartner ist und über die er etwas sagen kann. Das erfordert eine Auseinandersetzung mit den eigenen Positionen zu diesen Themen.

6. Seminar
Meine Persönlichkeit als Jugendcoach und Motivationstrainer, Auswertung, Perspektiven, Supervision
In diesem Abschlussseminar werden exemplarische Situationen aus der eigenen Praxis supervisorisch betrachtet. Es wird der Entwicklungsprozess jedes Einzelnen und auch der Prozess der Gruppe reflektiert. Ausgehend von einer Selbstbewertung erhält jeder/jede GruppenteilnehmerIn ein differenziertes Feedback zu besonderen Stärken, aber auch zu Themen, wo noch Entwicklungsarbeit zu leisten ist und weitere Akzente in der Erweiterung der eigenen beraterische Kompetenz und Performanz zu setzen sind. Berichte über eigene Projekte und Zukunftsplanungen in der Arbeit als Jugendcoach beschließen die Weiterbildung.